Die Isländer kommen
Islands Kultur im Herbst 2011 so präsent wie nie zuvor in Europa
Rund 400 Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum
Neuübersetzungen der Isländersagas im S. Fischer Verlag erschienen
FRANKFURT, 15.09.2011 – Unter dem Titel „Sagenhaftes Island“ präsentiert das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse einem nationalen wie internationalen Publikum seine Kultur und gibt Einblicke in seine literarische Tradition und Gegenwart.
Bereits im Vorfeld der Messe zog der Direktor von „Sagenhaftes Island“, Halldór Guðmundsson, auf der heutigen Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse eine erste positive Bilanz: „Für uns Isländer ist der Gastlandauftritt schon jetzt ein Erfolg. Es freut uns, dass unsere bereits erschienenen Bücher, die Ausstellungen in den Frankfurter Kulturinstitutionen und die zahlreichen Veranstaltungen des Begleitprogramms bisher so gut ankommen. Wir können sagen, dass wir in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz mit offenen Armen empfangen werden: vom Publikum, von den Medien und von den Verlagen. 107 deutschsprachige Verlage haben insgesamt 203 Neuerscheinungen zu Island herausgebracht – das übertrifft alle unsere Erwartungen.“
Einen Überblick der Neuerscheinungen bietet der Katalog „Sagenhafte Bücher aus Island“. In ihm finden sich Kurzbeschreibungen zu allen neuen Island-Titeln. Zu den Höhepunkten zählen die jüngst im S. Fischer Verlag erschienenen Neuübersetzungen der Isländersagas, die auf einem großen Saga-Lesefest auf Schloß Corvey bei Höxter vom 15. bis 18. September 2011 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Deutsche Schauspielstars wie Christian Berkel, Fritzi Haberlandt, Corinna Harfouch, Andrea Sawatzki und Angela Winkler werden in inszenierten Lesungen die Sagas vortragen. Führende SkandinavistInnen und SagaforscherInnen aus Deutschland, Island, Dänemark, Schweden und Norwegen sprechen über die Kultur der Sagas, den historischen Kontext, die Rechtsordnung und die Skaldenkunst. Die Veranstaltung wird vom Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit „Sagenhaftes Island“ durchgeführt. „Durch die Neuübersetzung der Isländersagas wird ein Stück Weltliteratur neu zugänglich gemacht. Die Sagas zeigen einmal mehr, dass großartige Literatur nichts mit der Größe eines Landes oder seiner Einwohnerzahl zu tun hat, sondern mit Sprache und der Kunst, Geschichten zu erzählen“, sagt Halldór Guðmundsson.
Rund 400 Veranstaltungen zur Kultur und Literatur Islands finden im Rahmen des Ehrengastauftritts im Herbst 2011 im deutschsprachigen Raum statt. Zahlreiche isländische AutorInnen sind auf Festivals wie dem Harbour Front Literaturfestival Hamburg oder dem Rheingau Literatur Festival vertreten. Ebenfalls gibt es Lesungen mit isländischen AutorInnen und lange isländische Kriminächte von Pfaffenhofen bis Rostock. Während der Frankfurter Buchmesse (12. bis 16. Oktober) ist die Messestadt dann das Zentrum isländischer Kultur.
38 isländische AutorInnen werden erwartet. Unter ihnen sind Andri Snær Magnason, Hallgrímur Helgason, Jón Kalman Stefánsson, Kristín Steinsdóttir, Sjón und Yrsa Sigurðardóttir sowie der diesjährige Preisträger des Nordischen Literaturpreises Gyrðir Elíasson. Der bekannte Krimiautor Arnaldur Indriðason und die junge Erfolgsautorin Guðrún Eva Mínervudóttir werden ebenfalls nach Frankfurt kommen und neben dem isländischen Präsidenten Ólafur Ragnar Grímsson zur feierlichen Eröffnung der Frankfurter Buchmesse am 11. Oktober eine Rede halten.
An verschiedenen Orten auf dem Messegelände und an Leseorten im ganzen Stadtgebiet erhalten die BesucherInnen Einblicke in die isländische Literatur und können isländische AutorInnen und Persönlichkeiten aus Politik und Kultur hautnah erleben. Neben Lesungen finden Veranstaltungen beispielsweise zu dem isländischen Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness, den sogenannten „Atomdichtern“ und den Sagas statt. Am Donnerstag, 13. Oktober um 10.00 Uhr, wird der ehemalige Komiker und jetzige Oberbürgermeister von Reykjavík, Jón Gnarr, im Pavillon des Ehrengasts (Forum, Ebene 1) die UNESCO Literaturstadt Reykjavík präsentieren. Am Abend zuvor trifft der Politiker von Islands „Bester Partei" (Besti Flokkurinn) im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt auf Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Bestseller-Autor, um mit ihm über Demokratie zu sprechen (12. Oktober 2011, 19.30 Uhr). Eine bislang einmalige und zudem historische Begegnung findet am 12. Oktober um 13.00 Uhr im Pavillon statt. Im November 1944 versenkte ein deutsches U-Boot das isländische Passagierschiff Goðafoss in der Hafeneinfahrt von Reykjavík. Anlässlich des Erscheinens des Buches „Goðafoss“ (Ankerherz Verlag) werden sich erstmals ein Überlebender und ein Besatzungsmitglied des U-Boots die Hände zur Versöhnung reichen.
Die BesucherInnen bekommen auch einen ganz privaten Einblick in die literarischen Vorlieben der Literaturnation Island: Im Pavillon werden unter anderem mehrere hundert Fotos sowie Videoporträts von IsländerInnen in ihren privaten Bibliotheken gezeigt. Die Fotos haben isländische BürgerInnen im Rahmen der Kampagne „Komm mit nach Frankfurt“ auf Facebook eingestellt (www.facebook.com/sogueyjan.island) oder per Post und Mail an das Büro von „Sagenhaftes Island“ in Reykjavík gesendet. „Die meisten isländischen Haushalte haben ihre eigene, kleine Bibliothek. Ohne dieses lebhafte Interesse an der Literatur könnte sich ein selbstständiges Verlagswesen mit rund 30 Verlagen in einem so kleinen Land gar nicht halten“, sagt Halldór Guðmundsson. „Wir bringen die Tradition der Heimbibliotheken und mit ihr die isländischen LeserInnen im Herbst nach Frankfurt und laden die Menschen im doppelten Sinne in unsere Bücherwelt ein.“
Die Frankfurter Kulturinstitutionen zeigen in bisher einmaliger Kombination und Dichte Einzelpositionen und themenbezogene Gruppenausstellungen zeitgenössischer isländischer KünstlerInnen, ArchitektInnen, FilmemacherInnen und DesignerInnen. Matthias Wagner K, Kurator für das Kunst- und Kulturprogramm „Sagenhaftes Island“ sagt: „In Frankfurt werden die Künste aus Island über ein halbes Jahr so präsent sein wie noch nie zuvor in Europa. Das verspricht ein neues Sehen – auch und gerade im Hinblick auf einen völlig anderen Umgang mit Tradition und Moderne. Die Ateliers und Studios der isländischen KünstlerInnen sind für mich die eigentlichen heißen Quellen der Insel im Atlantik.“
So zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt in Zusammenarbeit mit „Sagenhaftes Island“ die Ausstellung „Crepusculum“ (ab 29. September), in der die Künstlerin Gabríela Friðriksdóttir einen Raum schafft, in dem sich originale mittelalterliche
Handschriften – etwa Manuskripte der Isländersagas und der Snorra-Edda – mit dem geheimnisvollen Zeichensystem der Künstlerin sowie einer neuen Filmproduktion
zu einem fantastischen Universum verdichten. Das Museum für Angewandte Kunst präsentiert die Ausstellung „Randscharf – Design aus Island“ (ab 22. September) und Architekturmuseum Frankfurt gibt mit „Island und Architektur“ einen Überblick zur Architekturgeschichte des Landes (ab 1. Oktober). Das Archäologische Museum Frankfurt zeigt anlässlich der Neuübersetzung der Isländersagas Fundstücke aus der Sagazeit (ab 1. Oktober). In der Alten Oper Frankfurt erklingt das neu komponierte Klavierquartett des isländischen Komponisten Áskell Másson, begleitet von Saga-Lesungen (10. Oktober) und im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt tritt der isländische Komponist und Produzent elektronischer Musik Valgeir Sigurðsson auf, der bereits mehrfach mit Björk zusammengearbeitet hat (12. Oktober).

